25.8.15

Ich, Garten, Sehen, Zeichnen, Bleistift, Wind, Regen, Tomaten

Ich habe ein paar Bücher über japanische Gärten gelesen. Der japanische Gärtner versucht mit Steinen, Sand, Pflanzen eine Landschaft zu gestalten. Nicht eins zu eins eine Landschaft zu kopieren sondern etwas vom Wesen einer Landschaft zu verstehen, mit dem Herzen zu verstehen und das Verstandene mit seinen Mitteln wiederzugeben. Dabei haben sich japanische Gärtner an der alten chinesischen Landschaftmalerei orientiert. Irgendwie mache ich das genauso. Unser Garten sieht aus wie  meine Zeichnungen und die sehen aus wie unser Garten. Die japanische Grammatik ist ja anders als unsere. Da würde es heißen: Garten, Ich, Zeichnen. Oder: Ich, Garten, Zeichnen.  Also nicht wie bei uns die eindeutige Richtung: Ich zeichne den Garten, Subjekt, Prädikat, Objekt, sondern: Es gibt den Garten, es gibt mich und es gibt das Zeichnen. Und es gibt das alles nur zusammen. So ungefähr fühlt es sich an. 
Noch was: Mein ThinkPad ist kaputt. Geht heute zur Reparatur. kann dauern bis der nächste post erscheint. Ist vielleicht ganz schön, ein paar Tage ohne Internet. Wie fühlt sich das an? mal sehen.

18.8.15

Sommerschön

Jetzt wird es Herbst. Doch, doch mir geht das so. Da muss man sich für die verregneten Herbsttage und die noch düsteren Wintertage ein paar Sachen merken, die sonnensommerschön waren.

12.8.15

Klostergarten

Kloster in Neuwerk. 12. Jahrhundert. Wenn ich aus dem Bus steige in all dem lauten, bunten, schrillen Lärm und um die Ecke gehe, den langen mit dicken Steinen gepflasterten Weg, komme ich zu der alten Kirche, den Klostergebäuden und dann, im Garten, bin ich dann woanders. In einer anderen Zeit. Ich bin hier oft mit den Kindern aus dem Kindergarten hingegangen. Zum Malen und Zeichnen. Einmal haben wir Farben gesammelt. Jeder ein paar Blätter Papier mit Kästchen drauf und in jedes Kästchen kommt eine Farbe, die jetzt, nur jetzt in dieser Jahreszeit zu sehen ist. Zum Beispiel im Frühling. Welche Farben kommen jetzt dazu? Können wir die verschiedenen Jahreszeiten nur mit Farben in den Kästchen malen? Gestern: dicke, pralle Hortensienbüsche. Rosa, Violett, Magenta. Wunderschön.

10.8.15

Ferientisch von Pauline

Letzter Ferientag. Heute müssen wir aber mal aufräumen. Morgen fängt die Schule wieder an. Dieses Durcheinander ist echt schlimm. Aber auch schön. So sieht der Tisch in den Ferien aus. Lauter herrlicher Krimskrams.  Was würde uns denn passieren, wenn wir jetzt nicht aufräumen? Einfach alles so lassen? Hausaufgaben am Küchentisch machen? Dann könnten  wir uns den Tisch ankucken, die Dinge würden wieder anfangen  zu erzählen, wir würden uns erinnern und dann hätten wir vielleicht wieder so ein Gefühl, als ob es immer noch Ferien sind.  Ist es nicht toll, wie viele Geschichten so ein paar Papierschnipsel und zwei bis drei Buntstifte erzählen können? 

7.8.15

6.8.15

Im Garten arbeiten


Der Zenmeister Shunryu Suzuki Roshi soll einmal gesagt haben: Wenn wir kochen, dann arbeiten wir nicht nur am Essen, sondern auch an uns selbst und an unserer Beziehung zu anderen Menschen.“
Im Winter letzten Jahres gab es bei uns einen heftigen Schneesturm. Auf dem Ranunkelstrauch in unserem Vorgarten, 2,50 Meter hoch, lag dick der Schnee, dazu der Sturm und der Strauch neigte sich immer mehr, dann lag er auf dem Boden. Ich ging raus, im heftigen Sturm, war ratlos und habe den Strauch in der Mitte abgeschnitten. Schlimm. Aber jetzt konnte er nicht entwurzelt werden. Weil der Strauch nicht gut aussah und weil ich immer noch ärgerlich war, habe ich ihn im Frühjahr bis zum Boden runterschnitten. Jetzt gab es eine leere Stelle in meinen so schönen Vorgarten. Nur die Stoppeln waren zu sehen. Was jetzt? Sieht doch schlimm aus? Was wird daraus? Am besten ich kaufe einen neuen Ranunkelstrauch. Die kosten ja nicht viel. Ehrlich? Willste wirklich diese Pflanze, die mal so schön geblüht hat, willste die ausgraben und wegwerfen? Ja kuck mal wie das aussieht! Vielleicht kaufe ich auch einen schönen Rosenstrauch für diese Stelle. Wenn wir im Garten arbeiten, dann arbeiten wir nicht nur im Garten, sondern auch an uns selbst. Was wenn du versuchen würdest, Klaus, diese leere Stelle, wo nichts wächst, wo noch nichts wächst, wenn du sie anschauen könntest und versuchst, damit zutiefst einverstanden zu sein. Und wenn da nichts wächst? Ja, was machste dann? Vielleicht, wenn du diese Stelle im Vorgarten so ansehen könntest, dann könnstest du vielleicht auch lernen mit dir selbst und deinen Stellen wo noch nichts wächst einverstanden zu sein. Du könnstest lernen geduldiger zu sein, lernen , dass im Leben nicht alles immer sofort fertig ist, du könntest großherziger sein. Die Arbeit im Garten würde nicht nur den Garten sondern dich selbst verändern. An jedem Tag, wo ich da draußen bin, wird mir was deutlich und ich glaube, wegen solcher Erlebnisse arbeite ich im Garten. Ja klar, manchmal frage ich auch einen richtigen Gärtner um Rat. Aber ich entscheide, was ich davon gebrauchen kann und mache die Arbeit selber und lerne aus den Fehlern. Es ist eben was anderes, ob man einen Gärtner bestellt , der den Garten schnell fertig hat, oder ob man mit der Arbeit herausfindet, was Arbeit eigentlich ist: Eine Möglichkeit zu wachsen. Nicht nur etwas mit dem man Geld verdienen kann, etwas das man möglichst schnell aus dem Weg haben will, sondern ein Weg selbst. 
Im britischen Fernsehen gibt es eine Gartenshow, da kommt ein äußerst kompetentes Team zu einer Familie mit einem total heruntergekommen Garten, die Familie hatte ein schlimmes Erlebnis hinter sich, das Fernsehen will helfen, will den Leuten eine Freude machen und schickt die Familie für ein paar Tage aus dem Haus. Die schweren Maschinen kommen, reißen alles Alte raus und in einer Woche ist alles perfekt und neu und designed, Hochglanz, farbenprächtig, bunte Blumen, tropische Pflanzen, Hollywoodschaukel, die Familie kommt zurück und kann nur noch staunen und begeistert sein. Na gut. Jetzt haben sie einen schönen Garten. Das ist doch was Schönes. Und wenn sie selbst im Garten gearbeitet hätten? Ich dafür überhaupt keine Zeit!, sagen viele Leute. Ich habe vom Garten auch gar keine Ahnung. Fang irgendwo an! Versuche was! Lass den Garten dein Lehrer sein. Der Garten selber sagt dir was über Pflanzen und über dich. Arbeite! Mit deinen Händen! Lerne aus den Fehlern! Ich weiß, das alles hört sich merkwürdig an in dieser Zeit, in dieser Gesellschaft. Es ist nicht die herrschende Meinung. Ich mach mir doch nicht die Hände schmutzig! Mit viel Geld kann man sich vielleicht einen noch größeren Garten kaufen, und dann einen noch größeren, mit einem noch größeren Haus und dann könnte ich mir sogar einen bekannten Landschaftarchitekten leisten und der macht mir dann einen Garten, da werden die Nachbarn staunen! Wenn wir selbst im Garten arbeiten, werden wir lernen, unseren eigenen Einfällen, Erlebnissen zu vertrauen. Abseits von Anweisungen und Rezepten werden wir achtsam sein und sehen, hören, riechen, fühlen was gut ist, weil es uns gut tut. 
Der Ranunkelstrauch in unserem Vorgarten, ist jetzt wieder 2 Meter hoch, dichter, schöner denn je und früher hat der nur im Frühjahr geblüht, aber jetzt, Anfang August blüht zum ersten Mal in diesem Jahr.


5.8.15

Wie man sich nicht von seinem Weg abbringen lässt. Ein Traum.

Die ganzen Tage habe ich nachgedacht, wie denn in meinem kleinen Garten ein Weg zu machen wäre, der den kleinen Garten größer, geheimnisvoller, uneinsichtiger und märchenhafter machen würde. Ich zeichnete unzählige Mäander, verkritzelte ohne wirkliches Ergebnis jede Menge Papier. Ich las auch noch mal "The Analysis of Beauty" von William Hogarth, aber das Buch half mir  nicht weiter. Dann ging ich hinaus und kam plötzlich in einen großen Garten, einen sehr großen Garten und fand da zwischen Rhododendronbüschen einen fast zugewachsenen Weg. Die Büsche blühten noch zu dieser Jahreszeit, ich dachte darüber nach, wie das wohl sein könnte, da wurde es plötzlich dunkel. Es war aber erst kurz nach Mittag, es waren auch keine dunklen Regenwolken am Himmel zu sehen und trotzdem wurde es innerhalb einer Minute stockdunkel. Ich wollte nicht meinen Weg zurückgehen, ich wußte,  nur wenn ich noch weiter ginge, würde ich was über Schönheit und Freude verstehen. Da sprang mir plötzlich eine Spinne an den Hals, eine sehr große Spinne, es muss wohl eine Vogelspinne gewesen sein, ich versuchte sie von meinem Hals wegzuziehen, sie hatte sich aber festgebissen und es gelang mir nicht sofort. Ich geriet wegen dieses Spinnenbisses  nicht in Panik, ich wußte gleich um die Ecke ist ein Krankenhaus, das auf die Behandlung von solchen Spinnenbissen vorbereitet ist. Als ich zu dem Krankenhaus kam, war das Gebäude nicht mehr da und an seiner Stelle stand dort ein französisches Herrenhaus, es war aber kein historisches Gebäude, es war eben erst errichtet worden, ich wußte, ich bin in einer anderen Zeit angekommen. Als ich ich das Gebäude betrat, standen dort ein paar Frauen in Rokoko-, Biedermeier-, oder Barockkleidern?, ich konnte die Kleidung nicht genau einordnen, und ich rief ihnen zu: "Ich brauche sofort Hilfe, ich brauche einen Arzt! Ich bin von einer Vogelspinne gebissen worden!" Die Frauen lachten. "Aber das ist doch kein Problem", sagten sie. "Man muss nur barfuss laufen, dann kann einem das Gift der Vogelspinne nichts anhaben." "Aber ich bin doch schon gebissen worden!", rief ich. Sie lachten wieder. "Das Rezept wirkt auch im Nachhinein", sagten sie. "Du bist doch jetzt in einer anderen Zeit. Zieh nur einfach deine Schuhe aus, dann findest du schon deinen Weg."

3.8.15

Ja was denn nun!?

Radierungen. Renalonplatten und Zinkplatten. Habe ich gestern in einer Kiste gefunden. Beim Aufräumen. Manchmal habe ich das Gefühl , dass ich mehr aufräume als mache. Dein Gefühl täuscht dich nicht , sagt meine Frau. Und oft denke ich, ich sollte (sollte,  was für ein schlimmes Wort, entweder du musst es tun oder du willst es tun aber, ich sollte ist schlimm!),  also, wo war ich, ich sollte auch mal was wegwerfen. Diese Radierplatten wollte ich auch wegwerfen. Ich erinnere mich, die sind schon ein paar Jahre alt. Aber dann sind sie in dieser Kramkiste verschwunden und gestern habe ich sie da wiedergefunden und bin echt ein bisschen rührselig geworden. Wie kann man so was Schönes wegwerfen!  Wie kannst du nur an so was denken! Du solltest lieber viel öfter mal drucken! Ja, was denn nun? Ach ich weiß es auch nicht. 

30.7.15

Waldfrieden

Gestern auf einer Wanderung, viereinhalb Stunden!, bin ich fast eine ganze Stunde lang einen Waldweg gegangen ohne jemandem zu begegnen und ich dachte, wenn ich jetzt ganz leise bin, sehe ich vielleicht Tiere im Wald. Ein Reh vielleicht. Habe ich jemals ein Reh im Wald gesehen? Oder einen Fuchs? Ich weiß es nicht. Am Haus Waldfrieden habe ich Mittagspause gemacht und da war dann ein Reh. Zwischen zwei Tannenbäumen auf die Hauswand gemalt. Haus Waldfrieden ist immer noch geschlossen und kein Mensch weiß was daraus wird.

29.7.15

Tomatenblüten

Die Tomaten blühen. Im Hochbeet. Großartig. Ich weiß, das kann ja jeder. Aber ich zum ersten Mal. Zusammen mit Pauline. Papa, und aus diesen kleinen Blüten wachsen dann richtige Tomaten? Ja klar! Toll. 
Ich habe Haselnussstöcke geschnitten, da dran wachsen die Pflanzen jetzt in die Höhe und vom Wohnzimmerfenster aus kann ich das Hochbeet sehen, und der Blick stimmt mich friedlich. Beruhigt mich. Erinnert mich an was. Auch der Geruch der Tomatenpflanzen. Besonders bei Regen. 
Und jetzt zeichnen! Ohne das Gefühl zu verraten. Zwei Stunden sitze ich da draußen vor dem Hochbeet und nicht eine Zeichnung ist stimmig.  Aber alle zusammen sind es. Wenn ich sie nacheinander ansehe, sehe ich meine Tomatenpflanzen und das Zeichnen sehe ich und mich sehe ich. Und so  könnte ich jeden Tag da draußen sitzen und immer neu, immer anders zeichnen und keine Zeichnung müsste richtig sein.