26.7.14

Savoir par coeur

Gestern bin ich den ganzen Tag im Garten gesessen und habe  Königskerzen gezeichnet. Stundenlang. Eine sehr kleine, einfache Königskerze wächst bei uns im Garten.  Zuerst technische Konstruktionen, architektonische Bauzeichnungen. Blütenformen, Blätter, Blattränder, Knospen, Stengel. Ich versuche die Pflanze auswendig zu lernen, savoir par coeur, mit dem Herzen wissen. Dann freies Zeichnen. Aus der Vorstellung, mit dem Bleistift auf dem Papier sich erinnern, die Blume neu entstehen lassen. Immer die Gleiche. Die von heute morgen, die in meinem Garten. Aber immer eine andere. Noch eine und noch eine. Zwanzig? Königskerzen sind es geworden. Dann die Farben. Gehört nicht der blaue Himmel dazu?
Dazu mein Lehrer, Gerhard Gollwitzer: "Dies alles ist oft reiner zu erreichen durch Zeichnen aus der Vorstellung. Vor der Natur gerät man leicht in Selbstbetrug. Man zeichnet nicht die inwendige, sondern die außenwendige Figur, nicht das, was man erlebt hat, sondern das, was man vor sich sieht, nicht das Wesentliche, sondern das Zufällige." Aus Freude durch Zeichnen, 1953

25.7.14

Auf jedem Foto, das ich von den Stockrosen mache, ist das Märchen, indem sie eigentlich mitspielen futsch.

23.7.14

Notizbuch vom Sommer

Was ich mir manchmal wünsche, wenn ich in einem Märchenbuch lese.

Die böse Hexe in den Backofen schubsen. Die Prinzessin befreien. Ein Held sein. Drei Tage durch einen Wald wandern, ohne auch nur einer Menschenseele zu begegnen. An ein altes verlassenes Schloss kommen. Ein wildes Tier zum Freund gewinnen, zum Beispiel einen Bären, einen Greif, eine Schlange, einen Walfisch. Sich unsichtbar machen können. Sich vor nichts fürchten. Einer alten Hexe das Feuerzeug klauen. Eine junge Hexe zur Königin machen. Sich in einen Rosenstrauch verwandeln. Nach Hause kommen. Mit den Gespenstern gut Freund sein und sie zum Kartenspiel einladen. Mit Siebenmeilenstiefeln wandern. Mit den Zwergen auf Schatzsuche gehen. Mit den Vögeln um die Wette fliegen.