5.7.15

Der Garten als Gärtner oder der Gärtner als Garten?

Vier Tage fast 40 Grad. Heute morgen ein Gewitter. Regen, Wind. Und der Malvenbusch, hundert weiße und lila Blüten, biegt sich fast bis auf die Erde. Nach dem Regen binde ich ihn fest an den Zaun. Aber, werden nicht beim nächsten, noch heftigerem Gewitter, schon für heute Abend ist eins vorhergesagt, die dreijährigen verholzten Triebe abbrechen? Oder dann später bei einem Herbststurm? Ich binde das alte Holz an den Zaun und sehe darunter die neuen, die diesjährigen Triebe. Und mit einmal habe ich ein großes, freudiges Zutrauen, in diese Gartenvorgänge. Es wäre doch schön zu sehen, wie ein Sturm den Busch zurückschneidet, nicht ich muss das machen, der Wind schafft Platz für was Neues, die Pflanzen und Blumen, der Wind und der Regen und die Sonne, die wissen schon wie es geht, und ich bin achtsam dabei, mittendrin, helfe mit, mehr nicht  und immer mehr wird mir das was im Garten passiert zu einem Bild, einem Inbild?, Vorbild?, Nachbild?, das mir was von meinem, unserem Leben erzählt und dann sehe ich auch, wie ich so einen Garten zeichnen muß.

2.7.15

Sommer, 40 Grad

Über 20 Grad. Eine tropische Nacht. Und die Vorhersage sagt, heute werden es über 40 Grad. Ich merk das jetzt schon um 9 Uhr. Keiner hat mehr Lust aufzuräumen. "Ich schon", sagt die Christa. Stimmt aber nicht. "Du vielleicht nicht!", sagt sie. Die Sachen aus dem  Wohnzimmeratelierwohnzimmer wandern langsam in den Garten und die Sachen aus dem Garten kommen ins Wohnzimmer und Paulis Schlafzimmer kommt auch ins Wohnzimmer. Unterm Dach kann man es nicht aushalten. Laufen zwei Betrunkene auf der Straße. Sagt der eine zum anderen:"Lass mich auch mal in die Mitte!"Pauline erzählt dauernd Witze. Der Salat wird bald blühen, soll ja schön aussehen, meine Zeichnungen werden immer verkritzelter, also es wird auch heute wieder ein wunderbarer, verbummelter Sommertag werden. Aber: Wo ist meine Brille? Pauli:  Boah, Papa!

29.6.15

Ein Traum

Irgendwo in unserer Stadt. Ein Stadtteil den ich nicht kannte. Den Supermarkt kannte ich auch nicht, aber ich brauchte noch dringend ein paar Sachen für das Abendessen und es war schon spät. Gleich wäre alles zu. Ich betrat den Laden und gleich hinter der Eingangstür stand ein Mann, der mir das Leergut, einen leeren Kasten Wasser, abnahm und mir dafür zwei Euro gab. Zwei Euro, mehr nicht? Ich war zu müde nach einem anstrengenden Tag um zu protestieren, nahm das Geld, holte mir einen Einkaufswagen und besorgte die fehlenden Sachen, dann stellte ich mich an der Kasse an. Als ich dran war, sagte die Kassiererin: " Und wo ist Ihr Chip?" 
"Welcher Chip?", fragte ich.
"Jetzt kommen Sie mir bloß nicht so!", sagte sie laut, "Sie haben doch eben Leergut abgegeben."
"Das stimmt ", sagte ich, "und dafür habe ich zwei Euro bekommen." 
"Sie haben einen Leergutchip bekommen", widersprach sie mir. "Ich brauche den Leergutchip, um abrechnen zu können." 
Die Leute hinter mir in der Schlange wurden unruhig. Es war auch zu ärgerlich. "Was denn, was denn?" sagte ich laut. "Kassieren Sie doch einfach meine Sachen, dann bezahle ich alles!" 
Aber sie bestand auf diesem blöden Leergutchip. "Ich bin ein direkter Nachfahre von Kaiser Wilhelm dem Zweiten und ich brauche diesen Leergutchip", sagte sie und zum Beweis holte sie unter dem Kassenschrank den Reichsapfel hervor und zeigte ihn den Leuten in der Schlange. Da wurden die Leute richtig wütend und aggressiv. Zuerst dachte ich, sie würden auf meiner Seite sein, weil das mit  dem Kaiser Wilhelm und die ganze Situation überhaupt ja wohl nur eine einzige pathologische Verrücktheit dieser Kassiererin sein konnte. Aber nein, sie beschimpften mich. Ich solle machen, das ich nach Hause komme. 
"Nichts lieber als das!", sagte ich, "aber ich brauche diese Sachen für das Abendessen." 
"Dann geben Sie der Kassiererin doch endlich den Leergutchip!" riefen alle und gingen auf mich los und in letzter Sekunde gelang es mir abzuhauen. Kurz vor dem Aufwachen dachte ich für einen Moment, der Traum könnte was zu tun haben mit den Nachrichten über Griechenland, die ich gestern zu lange verfolgt hatte, aber als ich dann wach war, war ich mir nicht mehr sicher.

Zu Hause Ferien machen

26.6.15

Zeichenunterricht

Zwei Stunden lang hab ich versucht herauszukriegen: wie macht der Dürer das nur mit den Bäumen? Ich habs nicht verstanden. Aber danach habe ich wieder meine Bäume gezeichnet und gemerkt, dass es sich gelohnt hat, das dicke Buch mit dem Bleistift in der Hand anzuschauen.

25.6.15

Sonnenrosen

Hast du eigentlich nichts Besseres zu tun? Nein! Einen ganzen Vormittag vertrödeln. Auf der Suche nach einer Sonnenblume. Zeit haben. Ins Blaue fahren. Raus aus der Stadt. In Liedberg ankommen, altes Dorf, 11. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt. Man darf noch nicht mal mit dem Auto ins Dorf. Alte Fachwerkhäuser, ein Bauernhof. Mit Verkauf. Obst, Gemüse, Marmeladen, Kartoffeln. Gibt es hier irgendwo Sonnenblumen? Ich wüßte nicht wo, sagt die Verkäuferin. Sonnenblumen hießen früher Sonnenrosen und überall im Dorf wachsen  Stockrosen. Dann ein Seitenweg, ein Hohlweg, über eine Steinbrücke,  das Schloß. Wird immer noch renoviert, große Baustelle. Hier gibt es keinen Köning, keine Prinzessin, keine verzauberten Frösche, keine Raben und keine Schwäne. Nur Bauarbeiter. Darf ich mal in den Innenhof? Nein! Zurück ins Dorf. Da gibt es was zu sehen und zu zeichnen. Häuser. Fenster und Türen. Bäume. Wie die Bäume zeichnen? Ich werde noch mal bei Dürer lernen gehen. Morgen. Bei Dürer Bäume zeichnen lernen. Hast du nichts Besseres zu tun? Nein!
Auf der Rückfahrt finde ich ein großes Garteneinkaufsgeschäft. Keine Sonnenblumen, aber Stockrosen. Ein Meter hoch. Wenn die jetzt noch ein bisschen wachsen, dann kucken die in meine Küche.





Sonnenblumen

"Wo wollen Sie die denn herbekommen?!", fragt der Gärtner. "Sie müssen die im März, April im Haus vorziehen und dann nach den Eisheiligen können Sie die raussetzen. Aber jetz doch nich!", sagt der Gärtner. Ich hätte aber gerne, wenn ich morgens am Frühstückstisch sitze und die Sonne scheint, dass mich dann von draußen zwei bis drei Sonnenblumen begrüßen. Eine hatte ich im Garten. Die habe ich umgepflanzt. Die ist aber zu klein. Die wird nicht mehr so groß , dass sie bis in meine Küche kucken kann. Nun spielen Sonnenblumen ja in fast jedem Märchen mit. Also: Als das Wünschen noch geholfen hat, jetzt setze ich mich ins Auto und fahre auf Land. Was könnte ich besseres tun heute morgen! Sonnenblumen suchen und finden. Aufs Land hinaus, ins Freie, da wo es noch Schlösser und Bauernhöfe gibt.Und Hexen, Könige, Einhörner, verzauberte Frösche und Sonnenblumen. Jetzt fällt mir ein, Königskerzen oder große, hohe Stockrosen wären an der Stelle im Vorgarten auch nicht schlecht. Mal sehen. Los gehts. Ich werde morgen weitererzählen.

18.6.15

Ein Märchenschloß

Das ganze Schloß ist renoviert worden. Die Parkanlagen äusserst gepflegt. Bäume und Büsche geschnitten, der Rasen gemäht, die Wege gefegt. Ein Restaurant vom Feinsten da drin, aber ich sehe nicht, dass dieses Schloß in einem Märchen mitspielen könnte. In einem Märchenfilm schon, mehr aber auch nicht. Und ein Märchen habe ich mir so gewünscht, als ich dort mit meinem Fahrrad ankam. Es  fehlte mir. So eins zum Beispiel:  "Und als er drei Tage ohne zu essen und zu trinken durch den Wald gegangen war, kam er an ein altes, verlassenes Schloss."  Ich bin dann um das Schloß herumgegangen und mit einem Mal,  zwischen den Bäumen und Büschen, endlich,  nur ein Stück, nur ein kleiner Rest, ein Fragment vom Schloßgebäude,  eine alte Mauer, ein paar Fenster, oben unterm Dach eins geöffnet,  zwischen den Bäumen, in der Mauer, eine verschlossene Tür, und für einen kurzen Moment sehe ich, was vom Märchen übriggeblieben ist und ich fange an zu zeichnen, zeichne schnell und als ich fertig bin, ist das Märchen auch schon wieder weg.

2.6.15

...wie ein staunend Schauender im Herzen

"Bedecke ganze Blätter kunterbund von oben bis unten mit der Pflanzen- oder Baumblätter-Zeichensprache: mit stacheligen und breitfladigen, mit gezahnten und runden Formen, mit Rosetten, Rispen, Dolden, Trauben. Und ebenso mit Zweigen und Büscheln von lanzettförmigen, eiförmigen und gezackten Blättern. Zeichne sie draußen bei einem Spaziergang und zeichne sie daheim, sammle sie wie ein staunend Schauender im Herzen, nicht wie ein Botaniker im Herbarium. Erfinde Zeichen ...." Aus: Gerhard Gollwitzer, Freude durch Zeichnen,Otto Maier Verlag Ravensburg, 1953.

26.5.15

Traum

Ich bekam eine Einladung. Zu einer Party. Von irgendwelchen Leuten, die behaupteten meine Freunde zu sein, die ich aber gar nicht kannte. Ich gehe nicht auf Partys, sagte ich zu mir und verschob die email in den Spam-Ordner. Ich freute mich über mich selbst, dass ich so konsequent und entschieden  bin. Kurz darauf klingelte es an meiner Haustür und als ich öffnete standen da ungefähr 30-40 Leute und eine aufgetakelte Blondine sagte zu mir, wenn du nicht zu uns kommst, dann kommen wir eben zu dir und schon rannten all diese Leute an mir vorbei, durch unser Haus und in den Garten. Jemand hatte einen langen Tisch mitgebracht, Stühle, zu Essen und zu Trinken. Die Party war sofort in vollem Gang. Da rief ich die Polizei an, die kamen auch nach 20 Minuten. Zwei Leute. Die Blondine machte sich  an die beiden ran, brachte ihnen einen Drink und die Polizei feierte fröhlich mit. Ich fing mit jemandem der meine Vergissmeinnicht zertrampelt hatte eine Prügelei an und da wachte ich auf und war froh, dass ich das alles nur geträumt hatte. Ich stand auf, es war absolut still im Haus. Ich suchte meine Frau und meine Kinder, fand sie nicht im ganzen Haus und da beschloß ich schon mal Brötchen holen zu gehen und den Frühstückstisch zu decken. Auf dem Weg zur Bäckerei begegnete mir kein Mensch und es fuhren keine Autos. Auch die Busse, die regelmäßig und pünktlich auf unserer Straße fahren kamen heute nicht. War ich jetzt allein auf Welt? Bloß weil ich  nicht auf Partys gehe? Da wachte ich auf und war froh, dass ich das alles nur geträumt hatte.

25.5.15

People, Animals, hilarious Monsters and Ghosts and lovely Flowers

A few years ago I was once again at the sea, lay on the beach, looking at the sky, the clouds passing by and I started this old children's game: Look, this cloud up there looks like a dinosaur. And that one looks like a beautiful woman. Then I started to draw, paint and make collages. How can I draw as the clouds draw? Free, totally associative, without a narrative context, without censoring me? Not I draw, but the images draw itself, it draws, a great feeling and on the paper emerges a new world.

17.5.15

Gestern. Unterwegs.

Im Garten vor dem Gutshaus, ein großer Quittenbaum. Einmal bin ich im Herbst da vorbeigekommen und die Besitzerin?, Bewohnerin? des Hauses stand am Tor und ich fragte sie, wann die Früchte denn reif wären, aber sie wollte erst wissen, was ich denn damit machen würde und weil ich das Rezept wußte, schenkte sie mir ein paar Quitten die schon reif waren. 
Noch was: Beim Zeichnen, es regnete ein bisschen, hatte ich das Gefühl mit einer Gruppe von Impressionisten unterwegs zu sein.  Komisch, meine Zeichnungen haben doch mit  Impressionismus nix zu tun! Trotzdem war es ein schönes Gefühl mit Sisley und Pissarro unterwegs zu sein und zu zeichnen.

13.5.15

Was ist eigentlich gegen den Ausdruck Bilderbuchwetter zu sagen?

Gestern Abend

Die eigentlichen Aufgaben eines Gärtners wären doch, langsamer zu werden, einfach nur da zu sitzen, den Blumen zuzuschauen, wo kommt ihr denn her, den Wind zu hören und sich über sie Sonne zu freuen.