3.8.15

Ja was denn nun!?

Radierungen. Renalonplatten und Zinkplatten. Habe ich gestern in einer Kiste gefunden. Beim Aufräumen. Manchmal habe ich das Gefühl , dass ich mehr aufräume als mache. Dein Gefühl täuscht dich nicht , sagt meine Frau. Und oft denke ich, ich sollte (sollte,  was für ein schlimmes Wort, entweder du musst es tun oder du willst es tun aber, ich sollte ist schlimm!),  also, wo war ich, ich sollte auch mal was wegwerfen. Diese Radierplatten wollte ich auch wegwerfen. Ich erinnere mich, die sind schon ein paar Jahre alt. Aber dann sind sie in dieser Kramkiste verschwunden und gestern habe ich sie da wiedergefunden und bin echt ein bisschen rührselig geworden. Wie kann man so was Schönes wegwerfen!  Wie kannst du nur an so was denken! Du solltest lieber viel öfter mal drucken! Ja, was denn nun? Ach ich weiß es auch nicht. 

30.7.15

Waldfrieden

Gestern auf einer Wanderung, viereinhalb Stunden!, bin ich fast eine ganze Stunde lang einen Waldweg gegangen ohne jemandem zu begegnen und ich dachte, wenn ich jetzt ganz leise bin, sehe ich vielleicht Tiere im Wald. Ein Reh vielleicht. Habe ich jemals ein Reh im Wald gesehen? Oder einen Fuchs? Ich weiß es nicht. Am Haus Waldfrieden habe ich Mittagspause gemacht und da war dann ein Reh. Zwischen zwei Tannenbäumen auf die Hauswand gemalt. Haus Waldfrieden ist immer noch geschlossen und kein Mensch weiß was daraus wird.

29.7.15

Tomatenblüten

Die Tomaten blühen. Im Hochbeet. Großartig. Ich weiß, das kann ja jeder. Aber ich zum ersten Mal. Zusammen mit Pauline. Papa, und aus diesen kleinen Blüten wachsen dann richtige Tomaten? Ja klar! Toll. 
Ich habe Haselnussstöcke geschnitten, da dran wachsen die Pflanzen jetzt in die Höhe und vom Wohnzimmerfenster aus kann ich das Hochbeet sehen, und der Blick stimmt mich friedlich. Beruhigt mich. Erinnert mich an was. Auch der Geruch der Tomatenpflanzen. Besonders bei Regen. 
Und jetzt zeichnen! Ohne das Gefühl zu verraten. Zwei Stunden sitze ich da draußen vor dem Hochbeet und nicht eine Zeichnung ist stimmig.  Aber alle zusammen sind es. Wenn ich sie nacheinander ansehe, sehe ich meine Tomatenpflanzen und das Zeichnen sehe ich und mich sehe ich. Und so  könnte ich jeden Tag da draußen sitzen und immer neu, immer anders zeichnen und keine Zeichnung müsste richtig sein.

28.7.15

Dont let it bring you down

Noch so ein Haus. Wird nicht mehr gebraucht. Steht seit Jahren leer. Ein schönes Haus. Bäume, Büsche, Gras und andere Pflanzen ziehen da langsam ein, das Wetter malt auf der Fassade merk-würdige Bilder. Es muss wohl mal ein Bürohaus gewesen sein für irgendwelche wichtigen Geschäfte.  Warum zeichnest du dauernd solche Häuser? Vielleicht ist es ja auch eine Art Selbstportrait. Aber um Paul McCartney zu zitieren: Dont let bring you down.

24.7.15

Als das Wünschen noch geholfen hat

Gestern war ich wieder mal mit dem Fahrrad in meinem Wald unterwegs. Häuser zeichnen. Häuser die sich im Wald verstecken. Man fährt einen einsamen Waldweg, hohe Laub- und Nadelbäume, schattig und kühl ist es, Sonnenflecken auf dem Weg und plötzlich ein Zaun. Mitten im Wald ein Zaun? Dann 150 Meter weiter ein Tor, ein Eingang. Dahinter mäandernd ein Weg. Wo geht der hin? Und da sieht man zwischen den hohen, dichten Bäumen ein paar Fenster. Ein Haus mitten im Wald! Versteckt! Wenn man weitergeht, sieht man noch ein anderes Stück von dem Haus, zwischen den Bäumen, eine Tür, einen Holzstapel, Fenster mit schweren Fensterläden. Ich zeichne merkwürdigerweise zuerst das ganze Haus, wenn ich es nicht ganz erkennen kann, erfinde ich das Ganze und dann erst den Wald drumherum, das heißt, ich verkritzele die Hälfte von dem was ich vorher gezeichnet habe. Muss man das so machen? Keine Ahnung. Und weil mir das Tor nicht gefällt, fahre ich weiter und zeichne das Tor vom nächsten Waldhaus. Und dann, wie immer wenn ich so ein Waldhaus sehe, frage ich mich: Was wenn du da wohnen würdest? Wie wäre das? Dann fällt mir aber keine ganze Geschichte ein. Es gibt nur dieses lustige, aufgeregte Gefühl, dass wenn ich in so einem Waldhaus wohnen würde, mein Leben ganz anders wäre. Vielleicht traumhaft, märchenhaft? Vielleicht könnte man in so einem Waldhaus ein Märchen erleben. Halt! Welches Märchen denn? Von einem der auszog das Fürchten zu lernen? Solche Märchen gibt es ja auch! Ja, es gibt aber auch solche Märchen, wo einer ein Geheimnis entdeckt, ein schönes Geheimnis, einen Schatz zum Beispiel. Auf jeden Fall würde ich, wenn ich morgens in so einem Haus aufwachen würde, würde ich als Erstes die Fensterläden öffnen und dem Wind in den Bäumen zuhören. Mehr fällt mir nicht ein. Aber es bleibt das Gefühl, dass das was Schönes, Abenteuerliches wäre. Ich glaube wegen dieses Gefühls fahre ich da zum Zeichnen hin. Nun kenne ich mich ein bisschen. Wie viele Sachen habe ich mir schon gewünscht, was habe ich mir schon alles als schön vorgestellt und als ich es dann hatte, als ich da war, als ich es konnte, war es ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Kommt nicht die Hälfte des ganzen Unglücks in der Welt daher, dass wir glauben, was wir uns so sehnlichst wünschen, müssten wir auch Wirklichkeit werden lassen? Und dann haben wir es und merken, das ist es doch nicht. So habe ich mir das nicht vorgestellt! Zugegeben, die andere Hälfte des Unglücks in der Welt kommt daher, dass wir uns eben nicht aufmachen und unsere Wünsche verwirklichen. Und wie merke ich den Unterschied? Wie weiß ich jetzt, ob ich wirklich mitten im Wald wohnen will oder ob mir das Haus als Wunschphantasie reicht? 
Auf dem Nachhauseweg habe ich mich ein bisschen verfahren, meine Güte, so groß ist dieser Wald doch gar nicht! Als ich dann aus dem Wald raus kam, war da ein weites Weizenfeld, goldockergelb in der Sonne und am Horizont waren neben einer Kirche ein paar Häuser, einfache schlichte Einfamilienhäuser und da merk ich, wie ich plötzlich aufatme.

21.7.15

Gartengespenster

Ich konnte mal wieder nicht schlafen und bin mitten in der Nacht in den Garten gegangen, habe mich da an den Tisch  gesetzt, ins Dunkel gekuckt und sofort waren sie da: Gespenster. Ich habe uns die Zeit mit ein bißchen Zeichnen vertrieben. Gespenster mögen Zeichnungen. Wurde dann irgendwann sehr  lustig.  Na ja, auch ein bisschen gruselig.

17.7.15

Thanks to Lucy May Schofield. Helped me a lot.


Was ein Garten sein kann.


Im Frühjahr habe ich im Kindergarten mit den Kindern und mit Hanna und Andrea ein Gartenprojekt gemacht. Gartenprojekt ist aber kein schöner Name für das was wir gemacht haben. Es ging uns nicht nur um den Garten da draußen, sondern auch um den inneren Garten. Wir sind dann mal zusammengesessen und haben aufgeschrieben, was das sein könnte: Ein Garten. Die Liste ist immer noch unvollständig, wird immer länger.


Garten: Sonne, geschützt sein, draußen sein, Wind, ein Swimming Pool, Bäume, Obstbäume, Blumen, Vogelnester, eine Katze, Schnee, verschneite alte Blütenstände, frei sein, Zeit haben, auf der Wiese liegen und in den Himmel kucken, Eis essen, das Gras wachsen hören, mit dem Wind tanzen, dem Wind zuhören, ein Loch graben, den ganzen Garten umgraben und ins Schwitzen kommen, einen Baum pflanzen, ernten, sich wundern und staunen: wieso wächst eigentlich jedes Jahr alles immer neu? Und: Wer macht das? Vor sich hinträumen, tagträumen. Besuch von einer Prinzessin bekommen. Oder von den Zwergen. Unter einem Apfelbaum ein Buch lesen und in eine andere Welt kommen. In die Traumzeit kommen. Einfach da sein. Biologie lernen. Knospen, Blätter und Blüten erforschen, interessiert sein: Wie heißen all die Blumen. Kartoffeln ausmachen und sich dafür bei wem auch immer bedanken. Sich vom Regen nass regnen lassen,  am Fenster stehen und dem Gewitter zuschauen. Spinnen entdecken. Regenwürmer bei der Arbeit zusehen. Ein Gartenhaus bauen, ein Baumhaus. Draußen schlafen. Eine Party feiern. Den Wolken am Himmel Namen geben: Die da heißt Komm-bald-wieder, und die da heißt Langschläfer, und die da Linksherum. Blumen und Pflanzen zeichnen, dem Frosch im Gartenteich ein Märchen vorlesen,  nichts tun, ein Geheimnis entdecken, einen Schatz finden, Erdbeeren ernten, Marmelade kochen, auf einen Baum klettern, leise Gitarre spielen, oder Flöte, riechen lernen, auf einer Schaukel sitzen, Liebesbriefe schreiben, Gedichte schreiben, Gedichte lesen,

16.7.15

Ein kleiner Garten

Heute Nachmittag. Große Plastiktöpfe zu Pflanzschalen geschnitten. Blumenerde dazu. Aussaaterde hab ich nicht mehr. Aber, nicht noch mal mit dem Auto wohin fahren! Rote Lichtnelken, Schlafmohn, Akeleien ausgesät. Eigene Ernte. Brauchen die Samen nicht eine Keimruhe? Vier Wochen im Kühlschrank? Ich probier was aus. Ich werde viele Fehler machen, dann lern ich schneller. Lernen: Eine Pause zu machen. Einen Kaffee trinken, in den Himmel kucken, mit den Vögeln sprechen. Die Sonne scheint heute. Das Gefühl, in einer Tätigkeit aufgegangen zu sein, tritt nicht nach einer halben Stunde ein. Auch nicht nach einer ganzen Stunde. Ich glaube es muss ein ganzer Tag sein: Heute habe ich den ganzen Tag im Garten gearbeitet. Gut so. Arbeiten, Pause machen, Gitarre spielen im Garten: Open tunig, C, G, C, G, C, E. Die Saatschalen stehen hinter den Büschen, versteckt. Ein kleiner Garten.

15.7.15

Im Garten, gestern, bei Regen

Und warum fotografierst du immer mit dem Zeichenbuch auch die Bleistifte dazu? Weil die gezeichnet haben.

13.7.15

Zwei schöne alte Häuser im Wald

Vor vielen Jahren habe ich einmal bei Hermann Hesse gelesen, ich glaube es war in einem seiner Briefe, wo er erzählt, dass er sein Leben lang nach einem Haus gesucht hat, das sein zu Hause sein könnte. Und dann hat er gemerkt, das dieses Haus, das zu Hause, das er vergeblich gesucht hat, nur ein inneres Haus sein kann. So schau ich mir diese alten, verlassenen Waldhäuser gerne an, und weiß, dass ich dort auf keinen Fall wohnen möchte, aber dass ich dort trotzdem irgendwie zu Hause bin.